Wie halten Sie es mit dem Bildungsbürgertum?*

Die liebe Astrid hat einen Artikel zum Thema „Bildungsbürgertum“ veröffentlicht und ich konnte nicht umhin, einen Kommentar zu schreiben. Als dieser jedoch immer bissiger und länger wurde, entschloss ich mich, ihn hier zu veröffentlichen.

Hmm, denk ich an Bildungsbürger, denk ich an „Papa, Charlie hat gesagt“ und mich im Spiegel sehe ich dann nicht. Ich finde auch, dass Bildungsbürger einen schalen Beigeschmack hat. Wenn wir an den oben genannten Papa denken, dann sehen wir auch warum. Ein bisschen denke ich bei Bildungsbürger auch an „Biedermann“ und auch das bin ich nicht. Ich sehe beim Bildungsbürger das Bildungsinteresse auch als Abgrenzung zum „Pöbel“ und als Hoffnung, ein bisschen zu denen da oben, die sich Premierenkarten leisten können, zu gehören. Aber nicht öffentlich, die Blöße gibt sich der Bildungsbürger nicht.

Der Bildungsbürger ist reich an Wissen, schnöden Mammon benötigt er nicht. Aber er hätte doch gern das ein oder andere besondere Ding, ein Klavier, einen schönen Originaldruck. Er strebt nach oben, aber gibt es nicht zu.

Aber es gibt nicht nur die da oben und die da unten, es gibt auch noch den ungebildeten Mittelstand, größtenteils Emporkömmlinge, der Goya nicht von Rioja unterscheiden kann.

Ja, aber.

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Zitate – erlaubt und abmahnfähig gleichzeitig? [Update]

Es heißt immer, Zitate seien erlaubt, auch nach der Verabschiedung des LSR (Leistungsschutzrecht), andererseits werden Webseiten und Blogs, die Zitate (z.B. von Karl Valentin) bieten, abgemahnt.

Komisch, oder?

Nein. Und zwar ist das Problem, dass der Begriff „Zitat“ im normalen Sprachgebrauch anders gesehen wird als eigentlich korrekt wäre. Ein Zitat ist nicht einfach ein Spruch, sondern damit jemand ein Zitat „richtig“ nutzen kann, muss sich dieser mit dem Zitat auseinandersetzen.

Beispiel 1
‚“Das ist also des Pudels Kern“ sagte, schon Goethe im Faust und um Hunde soll’s hier auch gehen…‘

Beispiel 2
‚“Namen sind Schall und Rauch“ sagte Mephistopheles in Goethe’s Faust, allerdings war dies eine Nebelkerze, denn Mephistopheles wusste, dass das Wissen des Namen (also letztendlich der Kenntnis) des Dings eine Art von Wissen, Macht über den Gegenstand gibt. Mephistopheles sagt dies genau deshalb, um sich nicht vor Faust zu offenbaren, da dies seinen Plan gefährden würde. Schon die Alten Griechen…‘

Es fällt auf, dass in den beiden Beispielen die „Fremdaussagen“ unterschiedlich genutzt werden: im ersten Fall handelt es sich nur um einen Aufhänger ist, einen Einstieg in den folgenden Text, beim zweiten hingegen setzt sich der Autor mit der Aussage in einem eigenen Sprachwerk auseinander. (Danke, @A_Christofori)
Und in genau diesem Falle ist das Zitat rechtlich einwandfrei, auch im Internet. Und auch, wenn es von Karl Valentin oder Heinz Erhardt stammt.

(Ja, ich habe die Zitate nicht wissenschaftlich ausgeführt. Ein Zitat muss eigentlich einwandfrei auffindbar sein, d.h. ich müsste dazuschreiben, wo ich es gefunden habe. Und zwar mit Autor, Titel, Auflage, Verlagsort, Jahr, Seite.)

[Update]
RA Ferner hat einen Beitrag zum Zitatrecht geschrieben: „Urheberrecht: Das Zitatrecht nach §51 UrhG“

BF 21: Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

Vielleicht ist das gar nicht so schwer: es mag der Faust von Goethe sein. Zumindest fällt mir kein Buch ein, dass mir noch weniger gefallen hat. Aber das liegt wohl in erster Linie an den Versen. Bin halt mehr interessiert an moderner Literatur. (Wie allerdings „Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast“ [klick] da rein passt, weiß ich nicht 🙂 – aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig…)
Was – außer den Versen – gefällt mir an dem Buch nicht? Vielleicht, dass ich – anders als bei der Antigone – keine wirkliche Moral darin gefunden habe? Oder vielleicht eher, weil dieses Buch einfach viel zu moralisch war? Oder, weil mir die Faust-Grethchen-Story zu langweilig war? Oder weil es mir einfach zu rustikal (wie die Schrankwand) war?
Es dürfte wohl eine Mischung aus allen Punkten sein.

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