Zitate – erlaubt und abmahnfähig gleichzeitig? [Update]

Es heißt immer, Zitate seien erlaubt, auch nach der Verabschiedung des LSR (Leistungsschutzrecht), andererseits werden Webseiten und Blogs, die Zitate (z.B. von Karl Valentin) bieten, abgemahnt.

Komisch, oder?

Nein. Und zwar ist das Problem, dass der Begriff „Zitat“ im normalen Sprachgebrauch anders gesehen wird als eigentlich korrekt wäre. Ein Zitat ist nicht einfach ein Spruch, sondern damit jemand ein Zitat „richtig“ nutzen kann, muss sich dieser mit dem Zitat auseinandersetzen.

Beispiel 1
‚“Das ist also des Pudels Kern“ sagte, schon Goethe im Faust und um Hunde soll’s hier auch gehen…‘

Beispiel 2
‚“Namen sind Schall und Rauch“ sagte Mephistopheles in Goethe’s Faust, allerdings war dies eine Nebelkerze, denn Mephistopheles wusste, dass das Wissen des Namen (also letztendlich der Kenntnis) des Dings eine Art von Wissen, Macht über den Gegenstand gibt. Mephistopheles sagt dies genau deshalb, um sich nicht vor Faust zu offenbaren, da dies seinen Plan gefährden würde. Schon die Alten Griechen…‘

Es fällt auf, dass in den beiden Beispielen die „Fremdaussagen“ unterschiedlich genutzt werden: im ersten Fall handelt es sich nur um einen Aufhänger ist, einen Einstieg in den folgenden Text, beim zweiten hingegen setzt sich der Autor mit der Aussage in einem eigenen Sprachwerk auseinander. (Danke, @A_Christofori)
Und in genau diesem Falle ist das Zitat rechtlich einwandfrei, auch im Internet. Und auch, wenn es von Karl Valentin oder Heinz Erhardt stammt.

(Ja, ich habe die Zitate nicht wissenschaftlich ausgeführt. Ein Zitat muss eigentlich einwandfrei auffindbar sein, d.h. ich müsste dazuschreiben, wo ich es gefunden habe. Und zwar mit Autor, Titel, Auflage, Verlagsort, Jahr, Seite.)

[Update]
RA Ferner hat einen Beitrag zum Zitatrecht geschrieben: „Urheberrecht: Das Zitatrecht nach §51 UrhG“