Wie halten Sie es mit dem Bildungsbürgertum?*

Die liebe Astrid hat einen Artikel zum Thema „Bildungsbürgertum“ veröffentlicht und ich konnte nicht umhin, einen Kommentar zu schreiben. Als dieser jedoch immer bissiger und länger wurde, entschloss ich mich, ihn hier zu veröffentlichen.

Hmm, denk ich an Bildungsbürger, denk ich an „Papa, Charlie hat gesagt“ und mich im Spiegel sehe ich dann nicht. Ich finde auch, dass Bildungsbürger einen schalen Beigeschmack hat. Wenn wir an den oben genannten Papa denken, dann sehen wir auch warum. Ein bisschen denke ich bei Bildungsbürger auch an „Biedermann“ und auch das bin ich nicht. Ich sehe beim Bildungsbürger das Bildungsinteresse auch als Abgrenzung zum „Pöbel“ und als Hoffnung, ein bisschen zu denen da oben, die sich Premierenkarten leisten können, zu gehören. Aber nicht öffentlich, die Blöße gibt sich der Bildungsbürger nicht.

Der Bildungsbürger ist reich an Wissen, schnöden Mammon benötigt er nicht. Aber er hätte doch gern das ein oder andere besondere Ding, ein Klavier, einen schönen Originaldruck. Er strebt nach oben, aber gibt es nicht zu.

Aber es gibt nicht nur die da oben und die da unten, es gibt auch noch den ungebildeten Mittelstand, größtenteils Emporkömmlinge, der Goya nicht von Rioja unterscheiden kann.

Ja, aber.

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Fluchtursachen bekämpfen

Furfante - Pollution

Furfante – Pollution

Immer wieder hört man, insbesondere von konservativen Menschen, man müsse Fluchtursachen bekämpfen anstatt Geflüchteten zu helfen. Nun ja, es ist eine Binse, aber es steckt mehr dahinter.

Zunächst einmal die Frage, was die Aussage soll. Ja, es stimmt, wir müssen vor allem Fluchtursachen bekämpfen. Aber dadurch, dass ich oder jemand anders das sagt, ändert sich nichts. Ich meine, wenn ich sage, ich müsse mehr Sport treiben, werde ich auch nicht fitter. Also, was soll das? Eigentlich würde sich ja ein Folgesatz anbieten, sowas wie „aber das müssen wir international machen“ oder „wir führen den Kampf gegen den Terror doch schon“ oder so. Aber mir scheint, dass da nichts kommt.
Warum?

Weil dann viel zu klar wird, dass dahinter nur Unsinn steckt?!

Fluchtursachen bekämpfen. Fängt schon bei uns an.

Zum Beispiel habe ich heute in der aktuellen National Geographic (Print) gelesen, dass in Grillkohle – sogar die als FSC zertifizierte – Tropenholz enthalten ist. Und in Grillkohle aus „reiner Buche“ soll dies ebenso der Fall sein.

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Krautreporter – das war’s

Kündigung KrautreporterJa, wie man hier sieht, habe ich nun endlich mein Krautreporter-Abo gekündigt. Ich war schon lange unglücklich mit dem Magazin. KR war damals mit dem Slogan gestartet, der Online-Journalismus sei kaputt und sich als Lösung präsentiert.
Ich sehe eine Lösung weiterhin auch im Crowdfunding, Genossenschaftlichen und so, aber der KR ist für mich gescheitert.

Warum?

Ein Problem des Journalismus ist die Gleichförmigkeit in den Redaktionen – weiße, mittelalte Menschen aus Mittelstandsfamilien. Und genau da sehe ich bei KR auch. Da wird dann über ALG 2 (Hartz IV) berichtet, und die Information, wie viele Bescheide falsch sind – gerichtlich aufgehoben werden – ist nur eine Randnotiz. Dass diese Menschen eventuell gar nichts mehr zu essen haben, ist offenbar nicht wichtig.
Und dann schreiben Leute davon, dass sie Eigentum in Berlin haben wollen und wie sie dann mitten in Berlin gebaut haben – fehlt nur noch die Cartier-Werbung daneben.
Und dann diese ganzen Artikel darüber, wie diese ach-so-hippen, progressiven, aber doch immer gleichen Menschen leben, fühlen, arbeiten, essen. Ich sehe diese Leute immer direkt vor mir: bärtig, Anfang 30, waren im Web-Bereich, Marketing o.ä. und suchen jetzt irgendwas Neues. Letzten Endes kann ich mir sehr gut daraus eine Persona zusammenbauen, die aber nichts mit mir zu tun hat.

Man könnte es auch so ausdrücken: KR ist ein Magazin für genau das oben skizzierte Persona, und das bin ich nicht.

Küsse und Schnitzel

Liebe Mitmenschen,

*chomp chomp* by Suedeheadich bin absolut genervt und angepisst davon, dass einige – anscheinend relativ viele – Menschen nicht einfach mal hinnehmen können, dass es andere Menschen gibt, die sich von Bezeichnungen für Lebensmittel gekränkt fühlen, und die trotzdem nicht bereit sind, auf diese Bezeichnungen zu verzichten.

Warum, verdammt noch mal, können auch intelligente Leute nicht einfach mal sagen „ich ändere liebe meine Begriffe als anderen Leuten weh zu tun“? Warum müssen wir immer und immer wieder die gleichen Diskussionen führen, die gleichen Scheiß-Witze lesen… immer und immer wieder?

Es geht doch hier nur um Würde. Und um Respekt. Um Dinge, die jedem Menschen zustehen. Nicht nur mittelalten, weißen Männern. Genauso PoC (People of Color), Sinti/Roma, Behinderten, LGBTI* usw.

(Man könnte natürlich auch sagen, diese Menschen oben, haben schon genug unter White Supremacy (auch und insbesondere deutschen) gelitten und dieses Leiden muss endlich mal ein Ende haben, aber diesen Bogen will ich nicht spannen.)

Und ja, ich bin sauer, richtig stinksauer und habe echt keinen Bock mehr auf diese ganze Scheiße.

Danke fürs Zuhören (lesen).

 

(Und für die, die es nicht mitbekommen haben: es geht um die alten Begriffe für Schaumkuss und Puszta- oder Paprikatschnitzel.)

Sachspenden für Heimatstern 01/2018 [Update 1+2]

Ende April fahre  ich wieder einmal zu Heimatstern nach München und habe noch Platz im Auto. Ich bringe den tollen Menschen gern  etwas von euch mit und fahre bei Bedarf selbstverständlich auch Umwege.

Vorab kann ich auch bei euch in der Rhein-Main-Region vorbeifahren und Sachspenden abholen. Ansonsten fahre ich voraussichtlich von Offenbach über Stuttgart nach München.

Meldet euch gern, wenn ihr Spenden habt. Was genau benötigt wird, steht auf der Webseite. Bei Fragen hierzu wendet euch bitte direkt an Heimatstern.

Zusätzlich zur Liste werden auch Brillen, -putztücher, -hüllen und einzelne Brillengläser gesammelt.

Mich könnt ihr über die E-Mail-Adresse, Twitter etc. erreichen.

Danke!

[Update]

Heimatstern sammelt jetzt aus der Reihe auch Hunde- und Katzenfutter (sowie etwas gegen Flöhe) für Streuner in Griechenland. Das nehme ich also auch mit 🙂

[Update 2]

Ganz besonders werden Mittel gegen Zecken und Flöhe gebraucht.

Eine Woche mit Heimatstern (2)

Wieder einmal war ich in München, um Sachspenden zu Heimatstern zu bringen und vor allem, um dort zu helfen.
Ich hatte es schon mal bei Twitter geschrieben: es war echte Arbeit. Richtig toll, was die lieben Menschen dort leisten. Zum Teil waren wir früh auf dem Weg und haben bis zum Abend gearbeitet. Natürlich auch an den beiden Feiertagen (Bayern) in der Woche.
Ich hatte es schon in dem vorherigen Artikel geschrieben: es ist so toll, dass Heimatstern sich bei der Hilfe nicht auf die Satzung – bzw. die Hilfe von Geflüchteten – beruft, sondern da hilft, wo es gerade nötig ist.
Gemüse auf TischWir waren in der Großmarkthalle bei der Münchener Tafel, und haben dort vor allem Baby- und Kindernahrung abgeholt, diese wird zum Beispiel nach Rumänien und Griechenland geschickt, um dort hungrigen Babies und Kindern zu helfen.

Außerdem haben wir Nahrung – Obst, Gemüse, Brot, Fleisch, Käse – an in der Bayernkaserne untergebrachte Wohnungslose und Geflüchtete verteilt. Das ist echt toll, weil man da direkt sieht, dass man die Menschen mit der Arbeit glücklich macht. Und dass es echt etwas bringt.

Dann sind wir noch nach Sonthofen zu „Runder Tisch-Asyl“ gefahren und haben einen Sprinter mit Kleidung vollgepackt.

Außer den Transporten nach Rumänien und Griechenland haben wir noch welche nach Italien und die Ukraine vorbereitet.

Es brennt an so vielen Stellen, überall – selbst im reichen Europa – gibt es Hunger und Armut.
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Sachspenden für Heimatstern 02/17

Demnächst – Ende Oktober – fahre ich mal wieder nach München, um die lieben Menschen von Heimatstern e.V. zu besuchen, unterstützen und Sachspenden abzuliefern. Ich habe ein nicht sonderlich volles Auto und bin gern bereit, Spenden mitzunehmen. Was aktuell oder grundsätzlich benötigt wird, könnt ihr hier und hier nachlesen. Ich bin gern bereit, im Raum Frankfurt/Offenbach, auf dem Weg nach München, etwas abzuholen und mitzunehmen.

Außerdem: nächsten Monat fahre ich in die Alte Heimat hoch. Wenn ich auf dem Weg Offenbach <-> Papenburg/Ems was abholen soll, gebt einfach Bescheid 🙂

Kleinere Umwege auf der Fahrt sind selbstverständlich ohne Weiteres möglich.

Sprecht mich einfach an.

Blut und Knochenmark spenden

Die Strych Nina hat auf Folgendes hingewiesen

Letzten Endes bedeutet das aus meiner Sicht, dass es genügend Spender für Blut und Knochenmark gibt – ansonsten müsste man ja althergebrachte Konventionen über Bord werfen und mal schauen, in welchem Jahrhundert wir leben.

Der offizielle Grund ist meines Wissens, dass Homosexuelle (und all die anderen in der Szene) wahllos durcheinanderficken, sodass diese von geschlechtlich übertragene Krankheiten stärker betroffen sind. (Was natürlich Unsinn ist.)
Meines Wissens schlagen die bestimmenden Menschen aber immerhin nicht mehr vor, Hexen zu verbrennen, wenn sich Krankheiten allzu sehr ausbreiten…

Und ja, ich bin kein Aktivist, sondern nur faul. Aber diese Faulheit kann ich mir ja offensichtlich leisten, ohne schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Ein paar Tage mit Heimatstern

Ich war mal wieder für ein paar Tage im Urlaub in München und habe versucht, Heimatsterin ein bisschen zu unterstützen. Bezüglich Sachspenden für die Fahrt habe ich ja bereits einen Post geschrieben. Nun, ich bin nicht nur hingefahren und habe Urlaub gemacht, sondern habe dort auch ein wenig geholfen: Kleidung sortieren, Kartons packen, tragen und sowas. Es ist wirklich schön, wenn ich auch mal anpacken kann, um zu helfen und nicht „nur“ Geld und Dinge spende, finde ich. Und es gibt bei und um Heimatstern auch so viele tolle Menschen. Es hat mir echt viel Spaß gemacht, dabei zu sein und ich mache es auf jeden Fall wieder.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich und ganz bewusst meinen Respekt aussprechen für die ganzen Aktivisten, die „einfach so“ helfen, weil für sie Menschlichkeit groß geschrieben wird, weil sie das ganze Elend nicht mit ansehen können (dazu gleich mehr). Das Sortieren, Packen, Stapeln ist eine ganze Menge Arbeit, es ist anstrengend und es ist viel (Danke für alle die Spenden ihr Menschen und Organisationen da draußen!). Und das dann noch neben einer geregelten Arbeit – ja, auch die Aktivisten müssen wohnen, essen, leben. Das ist schon toll. Ich war dabei, ein paar Tage und ziehe sämtliche Hüte, die ich besitze vor diesen tollen Menschen. Danke!

Aber was ich eigentlich schreiben wollte: man (zumindest ich) merkt ja gar nicht so, wo es alles brennt, wo Hilfe benötigt wird. Ich folge auf Twitter Heimatstern und weiteren Organisationen, Aktivisten und Interessierten. Aber trotzdem. es gab so viel, das ich gar nicht mitbekommen habe: Hilfe wird in Serbien, Kroatien, Griechenland, der Türkei – um nur einige Länder zu nennen – benötigt. In Dünkirchen ist vor ein paar Tagen ein ganzes Lager niedergebrannt – die dort lebenden Geflüchteten haben zum zweiten Mal alles verloren. Gebrauchtetes medizinisches Gerät fehlt überall in den ärmeren Ländern und bei Flüchtlingsorganisationen vor Ort.

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Konservative sägen sich selbst ab

Manchmal ist es einfach zu schön: da kommt ein – ich dachte immer – ziemlich kluger Politiker auf diesen Gedanken

Man könnte natürlich nun entgegnen: ja, wir nennen das Ding, das heute Ehe heißt, einfach anders und lassen alle dran teilhaben.

Aber eigentlich geht es Schäuble ja gar nicht um den Begriff, sondern um die Sache. Er möchte einfach diese gesetzlich geschützte Institution, die sich hinter dem Begriff „Ehe“ verbirgt, nicht für andere Personenkreise (Schwule, Lesben, Trans-, Inter-, Asexuelle etc.) öffnen. Ob es ihm nur darum geht, dass sein Gott (dazu später) solche Partnerschaften nicht mag, oder darum, dass der Staat sich die Ehe ja numal was kosten lässt (z.B. dieses hirnrissige Ehegattensplitting), lassen wir mal dahingestellt.

Ebenso lasse ich das Thema, dass es auch hierzulande eigentlich eine Trennung zwischen Kirche und Staat geben sollte, außen vor. Eine solche, grundgesetzlich beschriebene, die ein Bundesminister hier offensichtlich ablehnt (auch nichts Neues bei der Union).

Aber letzten Endes beruft Schäuble sich hier auf einen 2.000 Jahre alten Text (die deutschen Ausgaben sind selbstverständlich wesentlich jüngeren Datums und teils von glühenden Antisemiten – Martin Luther geschrieben). Was vor 2.000 Jahren richtig war, kann heute nicht falsch sein: Steinigungen, Menschenopfer, Folter zum Beispiel. Ob er mir da zustimmt?
Ist jedenfalls exakt der gleiche Gedanke.

Letzten Endes zeigt sich aber hier wieder der Konservativismus von seiner idiotischsten Seite. Nichts lernen, nichts ändern. Keine Argumente annehmen.

Amen.

Und ganz eigentlich hätte der Satz auch direkt von Alfred Tetzlaff („Ekel Alfred“) stammen.