Wie halten Sie es mit dem Bildungsbürgertum?*

Die liebe Astrid hat einen Artikel zum Thema „Bildungsbürgertum“ veröffentlicht und ich konnte nicht umhin, einen Kommentar zu schreiben. Als dieser jedoch immer bissiger und länger wurde, entschloss ich mich, ihn hier zu veröffentlichen.

Hmm, denk ich an Bildungsbürger, denk ich an „Papa, Charlie hat gesagt“ und mich im Spiegel sehe ich dann nicht. Ich finde auch, dass Bildungsbürger einen schalen Beigeschmack hat. Wenn wir an den oben genannten Papa denken, dann sehen wir auch warum. Ein bisschen denke ich bei Bildungsbürger auch an „Biedermann“ und auch das bin ich nicht. Ich sehe beim Bildungsbürger das Bildungsinteresse auch als Abgrenzung zum „Pöbel“ und als Hoffnung, ein bisschen zu denen da oben, die sich Premierenkarten leisten können, zu gehören. Aber nicht öffentlich, die Blöße gibt sich der Bildungsbürger nicht.

Der Bildungsbürger ist reich an Wissen, schnöden Mammon benötigt er nicht. Aber er hätte doch gern das ein oder andere besondere Ding, ein Klavier, einen schönen Originaldruck. Er strebt nach oben, aber gibt es nicht zu.

Aber es gibt nicht nur die da oben und die da unten, es gibt auch noch den ungebildeten Mittelstand, größtenteils Emporkömmlinge, der Goya nicht von Rioja unterscheiden kann.

Ja, aber.

Mason & Hamlin, church, chapel & parlor organs. Standard of the world.

Mason & Hamlin, church, chapel & parlor organs. Standard of the world.

Es gibt dieses Bildungsbürgertum, das für mich weniger diesen Ruch hat, das ich schon ein bisschen mag. Ein ganz kleines bisschen zumindest. Es handelt sich um das Bildungsbürgertum der wilhelminischen Zeit (siehe links im Bild).

Natürlich kann man mir entgegnen, dass es eigentlich gar keinen Unterschied gibt: damals strebte man eher nach dem klassischen, weniger nach dem Geldadel, aber irgendwie mag ich es doch lieber.

Nennen wir es einfach Romantik 🙂

Da ich den Artikel mit einem Zitat begonnen habe, beende ich es auch mit einem klassischen Zitat

»Denn die einen sind im Dunkeln,
Und die anderen sind im Licht
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.«

Bild: Boston Library – Mason & Hamlin, church, chapel & parlor organs. Standard of the world. Lizenz: CC BY 2.0

*Der Bildungsbürgerin, dem Bildungsbürger muss ich zu dieser Überschrift nichts sagen. Und alle anderen lasse ich – typisch bildungsbürgerlich – dumm sterben.

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