Zufall, Aberglaube und Wahrscheinlichkeit. Vor allem aber Aberglaube…

Under a ladder - von seq - Lizenz by-nc-nd 2.0

Under a ladder – von seq – Lizenz by-nc-nd 2.0

Über Blog-Parade.de bin ich wieder einmal auf eine spannende Blog-Parade gestoßen. das Museumsblog veranstaltet diese unter dem Titel ‚Welt ohne Zufall? Blogparade zum Thema „Aberglauben“‘

Dies ist ein sehr spannendes Thema, über das ich bereits viele Bücher gelesen habe. Sowohl über Zufall und Wahrscheinlichkeit als auch über Aberglaube. Schon lange bin ich ein Skeptiker und habe deshalb diverse Bücher zu skeptischen Themen, Verschwörungstheorien, Religionen, und eben auch Glaubenssystemen.
Es freut mich übrigens sehr, dass bereits im Titel der Zufall genannt wird – dieser ist die Basis einer ganzen Menge Aberglaubens. Eigentlich müsste nun eine Definition des Begriffs erfolgen, verweise jedoch auf die sehr gute Definition bei wikipedia. Dort wird sehr klar dargestellt, dass Aberglaube in erster Linie ein Machtbegriff ist, mit dem ein fremdes Glaubenssystem gebrandmarkt wird. Für den Christen mag der Schamanismus Aberglaube sein, für den Panteheismus das Christentum, und so weiter.
Für mich, der ich gern ein Wissenschaftler wäre, gibt es letztendlich nur Glauben oder Wissen. Ob es einen Gott gibt, der seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, um die Seelen aller Menschen zu retten, ist genauso eine Glaubenssache wie dass der gesamte Kosmos und die Natur eins sei mit Gott (vgl. wikipedia). In diesem Sinne ist jeder Glaube gleichberechtigt.
Auf der anderen Seite gibt es das Wissen: Dinge, die bewiesen (oder, noch besser, widerlegt) werden können.

Jetzt habe ich schon ne ganze Menge geschrieben und bin noch gar nicht zum Thema gekommen: bei der Blogparade geht es eher um den herkömmlichen Aberglauben: schwarze Katzen <3, Kleeblätter, Leitern (siehe das Bild oben), Hufeisen und dergleichen mehr.

Klassisch versteht man unter Aberglaube ja den Glauben an böse Zahlen (13), Vollmond, vierblättrigen Klee, Schornsteinfeger und schwarze Katzen. Diese Art von Aberglaube wird häufig eher spielerisch gesehen, auch wenn es die Paraskavedekatriaphobie gibt (als Angststörung bzgl. Freitag den 13-).

Aberglaube entsteht aus unterschiedlichen Gründen: am Freitag wurde der Überlieferung nach Jesus Christus ans Kreuz geschlagen, der 13. Jünger beim Abendmahl war Judas, das vierblättrige Kleeblatt sieht auch wie ein Kreuz. Schwarze Katzen erinnern an die Nacht und das schwarze, dunkle. Und Katzen waren außerdem oftmals bei weisen Frauen (vulgo Hexen) zu finden. Schornsteinfeger hingegen haben den Schornstein sauber gehalten und somit das Haus vor Bränden geschützt.

Ach ja, und aus Zufall. Hierzu ein Beispiel:

Jeden Morgen fahre ich mit meinem Auto die gleiche Strecke zur Arbeit. Ich komme dabei zu einer Ampel, die relativ lange rot zeigt. Allerdings kann ich etwas ganz Besonderes: wenn ich die Ampel laut anbrülle, wird sie grün.

Tja, wie kann das sein? Ganz einfach: ich komme an die Ampel, diese

  • ist grün – ich fahre durch
  • wird grün – ich warte kaum
  • ist gerade rot geworden – ich warte.

Also wenn ich warte, und zwar lange, wird die Ampel nach einiger Zeit von selbst grün. Und da ich mich erst nach einiger Zeit aufrege, dass es wieder so lange dauert, wird die Ampel kurz nach meinem Fluchen grün. Ich mache natürlich nicht den Gegentest, denn dann würde ich ja noch länger warten… außerdem bin ich ja kein Forscher, sondern will (oder muss) zur Arbeit…

Das war natürlich eine erfundene Geschichte. Ich hingegen stehe mit beiden Beinen fest auf der Erde und habe keinen Aberglauben. 🙂
Naja, Aberglaube entsteht von selbst: Menschen (und andere Tiere) neigen dazu, nach Mustern zu suchen. Und manchmal sehen sie eines, wo gar keins ist (wie oben). Insofern kann ich mich von Aberglauben nicht gänzlich freisprechen. Aber da ich ja gern wissenschaftlich denke, versuche ich stets, diese zu ergründen… meistens klappt es…

Bild: „Under A Ladder“ von seq, Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

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2 thoughts on “Zufall, Aberglaube und Wahrscheinlichkeit. Vor allem aber Aberglaube…

  1. Hallo Mario,
    danke für den Beitrag! Deine Einleitung trifft den Nagel auf den Kopf. Abergläubische Praktiken waren meist jene, die nicht mit der allgemeinen Lehre einhergingen. Und während sich die Blogparade mit dem herkömmlichen Aberglauben beschäftigt, möchten unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Volkskundemuseum herausfinden, welche Praktiken heutzutage angewendet werden, um das Schicksal zu beeinflussen. Da gibt es auch eine eigene Installation in der Sonderausstellung, bei der Besucherinnen und Besucher uns Fotos ihrer Talismane hochladen und deren Wirkung beschreiben können.

    Daraus entsteht dann hoffentlich eine umfangreiche Internet-Datenbank, in der die Bilder und Erzählungen anonym festgehalten werden und so Aussehen und Wissen über den Gebrauch der Glücksbringer der Nachwelt überliefert werden können.

    Liebe Grüße
    Christoph

  2. Hallo Christoph,
    vielen Dank für deinen Kommentar.
    Das mit den Talismanen klingt schon sehr spannend. Ich hoffe, dass viele Besucherinnen und Besucher da mitmachen, damit es eine interessante und bunte Datenbank wird.
    Viele Grüße
    Mario

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