it’s the end of the world as we know it…

Oder: Der Untergang des Christlichen Abendlandes

Am Sonntag gab es ein Volksbegehren für ein Rauchverbot in Gaststätten. An diesem nahmen ca. 37% aller Wahlbeteiligten teil, von diesen stimmten ca. 61% für eine Verschärfung des Rauchverbots. (SZ)

Nun ist es an der Zeit, die Menschen, die dafür stimmten, zu beschimpfen. Natürlich. Klar, wir sind für einen Verbotsstaat. Selbstverständlich sind wir alle unsoziale und freiheitshassende Ultras.
Außerdem – kein Zweifel – ist es undemokratisch, weil nur 37% teilgenommen haben.

Andererseits – ich fang mal von hinten an – hätten 100% teilnehmen können. Wenn sie’s gelassen haben, ist das nicht das Problem der Verbots-Befürwortenden. Die restlichen 63% haben sich einfach enthalten. Wenn ihr 100% wollt, dann geht doch nach drüben.

Den politischen Gegner zu beschimpfen, ist freilich ganz normal – zumindest in Bayern… wem keine Argumente einfallen, der macht’s halt so…

Verbotsstaat – Klar. Immer. Wir leben in einem Verbotsstaat, weil ich nicht den Menschen, der im Supermarkt vor mir die Kasse blockiert, erschießen darf. Oder so. Nein, es ist Freiheit. Nämlich die Freiheit, mich in einer sauberen und ungefährlichen Luft zu bewegen. Vor gar nicht so langer Zeit hatten wir nur die Möglichkeit, daheim zu bleiben, wenn wir nicht mitrauchen wollten… Ich zitiere hierzu mal Lars vom Spitblog

Ihr wollt in Ruhe rauchen? Dann bleibt doch zu Hause. Kennt ihr, die Argumentation, was? Wir drehen das jetzt einfach mal um.

Torsten Dewi dagegen sieht – wie so ziemlich alle Gegner – die Demokratie in Gefahr:

Dass eine Bevölkerungsgruppe eine andere per Volksentscheid in diesem Maße unter Druck setzen, weg drängen, und stigmatisieren kann, empfinde ich als zutiefst undemokratisch.

Dazu kann man freilich sagen: ach was, siehe oben. Wenn die Poltik sowas macht, ist es offenbar i.O., aber wenn das Volk endlich mal den eigenen Willen durchsetzt, nicht mehr?

Ich bezweifle außerdem die basisdemokratische Funktion solcher Volksbescheide, weil es traditionell leichter ist, die Gegner des Status Quo zu mobilisieren als jene, die mit dem Ist-Zustand eigentlich ganz gut leben können. Es besteht die Gefahr einer Verzerrung durch Abstimmungsergebnisse, die dem tatsächlichen „Volkeswillen“ nicht entsprechen.

Wenn die Gegner – trotz der reichlichen Summen von der FDP und der Tabakindustrie – die Menschen nicht mobilisieren können, ist das nicht mein Problem. Das ist bei jeder Wahl genauso.

Ach, btw, ich bin eines von diesen rücksichtslosen ArschlöchernDings, die von euch Rauchern Rücksicht verlangen und von euch erwarten, dass ihr zum Rauchen rausgeht. Stimmt, ich bin so ein typischer Ehemals-Raucher-heute-Nichtraucher-NaziDings.

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6 thoughts on “it’s the end of the world as we know it…

  1. Recht ignorant zu bahaupten, mein Artikel würde keine Argumente beinhalten. Aber das gehört zu dieser ‚Diskussion‘ ganz offensichtlich dazu.

  2. Als Raucherin finde ich es nicht gerade schlimm, auf Nichtraucher Rücksicht nehmen zu müssen. Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Draußen zu rauchen ist doch noch erlaubt – äh – oder etwa auch nicht mehr?

  3. Rücksicht mit Nichtrauchern ist in der Breite relativ neu. Das gab’s früher nicht.
    Draußen Rauchen ist erlaubt, wenn’s nicht zu laut ist.

  4. Als Ex-Ex-Raucher weiß ich natürlich, wie störend Zigarettenqualm gerade für ehemalige Raucher ist. Ich denke, dass die Sucht schuld an dem ignoranten Verhalten mancher Raucher ist. Schade.

  5. Weder noch. Genau genommen bin ich eine ehemalige Nicht-mehr-Raucherin. Also eine Wieder-Raucherin. Das wollte ich zum Ausdruck bringen.

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