10 Minuten – Propaganda-Pamphlet der DB (Nachtrag)

Derzeit verteilt die DB AG ein Propaganda-Pamphlet mit dem Titel „10 Minuten“, um die Stimmung zugunsten des Transrapid-Baus M-Bahnhof – M-Flughafen zu beeinflussen. Der Name „10 Minuten“ kommt von „Hauptbahnhof – Flughafen in 10 Minuten“. Es soll sich um eine Informationszeitung handeln, die sich den Argumenten der Gegenseite stellt. Desinformation(1) passt da eher… Ich bin unentschlossen, aber ziemlich skeptisch. Warten wir einfach mal auf gute Argumente. Die werden in dieser Zeitung nicht geliefert.
Ich nehm‘ sie mal nett auseinander:

Die Münchner haben etwas vom TR
Das Argument aus München lautete wohl, dass die Münchner nichts vom TR haben. Es ist sicher so, dass die Nicht-Münchner mehr von dem Gefährt haben, weil sie einfach häufiger fliegen. Will sagen, die meisten Gäste auf dem Flughafen sind Nicht-Münchner. Die meisten Münchner haben durchaus etwas vom TR, auch wenn sie dann immer über den Bahnhof fahren müssen.
Und es werden auch wohl kaum mehr Touris nach München kommen, weil man da so toll TR fahren kann…

Auto bzw. CO2
Das Totschlag-Argument schlechthin. Wenn die ÖPNV schneller sind, fahren die Menschen nicht mehr mit dem PKW. Derzeit beträgt die Fahrzeit 40 Minuten, eine Verkürzung auf 10 Minuten wäre selbstverständlich sehr viel besser. Aber andererseits: wie viele Münchner fahren mit dem PKW zum Flughafen?
Würden Menschen aus dem Umland wirklich erst nach M rein fahren und dann mit dem TR weiter? Businessflieger, die am gleichen Tag abfliegen und zurück kommen, würden sicherlich auf den TR umsteigen.

Ich habe mal ein paar Tests gemacht: von Starnberg zum Flughafen

  • Nur S-Bahn: 72 Minuten
  • Nur Auto: 48 Minuten (2)
  • S-Bahn und TR: 44 Minuten
  • Auto und TR: 37 Minuten (2)

(Parkplatzsuche, Umsteigezeiten u.ä. wurden nicht berücksichtigt)
Derzeit ist das Auto wesentlich schneller, mit dem TR geht’s dann sowohl mit Auto/TR als auch mit S-Bahn/TR schneller. Auto/TR ist keine gute Wahl, da der Fluggast hier mitten in die City gebracht werden muss.
Allerdings fliegen Ferienflieger anscheinend gerne Nachts oder Frühmorgens, wenn evtl. noch keine S-Bahnen fahren. Dann müsste man wieder Auto/TR fahren und dann spielt der Takt eine große Rolle.

Test zwei: München, Birthälmer Straße (3) – Flughafen

  • S-Bahn: 41 Minuten
  • Nur Auto: 33 Minuten
  • S-Bahn und TR: 34 Minuten
  • Auto und TR: 29 Minuten

Referenzstrecke
D braucht eine Referenzstrecke, damit diese tolle Technologie besser verkauft werden kann. Komisches „Argument“. Hier sehen wir wieder mal, wie Patriotismus und Sozialismus ineinander greifen. Wenn Siemens und Co. eine Werbestrecke brauchen, sollen die die doch bauen. Warum soll der Staat (Land, Region, Bürger) dafür aufkommen?

Nachtrag
Die SZ berichtet heute über den Transrapid in München. Der Bund möchte seinen Anteil an den Kosten nicht erhöhen. Diese werden wie folgt getragen:

  • Bund: 550 Mio Euro
  • Land: 300 Mio Euro
  • DB: 195 Mio Euro
  • Fehlbetrag: ca. 400 Mio Euro

Da stellt sich die Frage, an wen die Einnahmen gehen. An den Bund, der ein Drittel der Kosten trägt? Oder eher an die DB, die den geringsten Anteil hat…

(1) Zum Beispiel die 10 mal 10. Außerhalb der Hauptreisezeit wird sich der Takt nicht halten lassen und die 10 Minuten Fahrzeit sind sicherlich auch das Bestmögliche, verknüpft mit vielen „wenns“…
(2) laut Google-Routenplaner
(3) Einfach ein Punkt in München, nicht zu citynah aber noch Stadt

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