Die hässlichen Deutschen

Ich hatte mich ja immer gewundert (und darüber geärgert), warum ein intelligenter und gebildeter Mensch wie Bill Bryson (Journalist und Autor)(1) so häufig gegen die Deutschen „hetzt“ und immer wieder auf den Holocaust zu sprechen kommt und auf die bösen Deutschen.
Die von ihm immer wieder gern wiedergegebenen Stereotype sind die hässlichen Deutschen und die Deutschen, die sich im Urlaub nicht benehmen können.(2)
Aber jetzt endlich weiß ich, woran das liegt. Das Image Deutschlands, das von den Medien im Ausland (gern in GB) verbreitet wird, setzt D sozusagen mit dem Dritten Reich gleich, indem das aktuelle D verschwiegen wird. Selbst in den Schulbüchern kommt D nur als Drittes Reich vor. Das Image D ist so und wird immer wieder gern so verfestigt. (Wobei klar sein sollte, dass der Boulevard hier am stärksten hetzt, aber das ist in D ja nicht anders.)
Freilich wird auf das aktuelle D verwiesen, wenn

  • es ausländerfeindliche Ausschreitungen gab,
  • sonst gefällige schlechte Nachrichten aus D,
  • GB über D triumphiert hat: Fussball, PISA etc.,

Ich meine, der Holocaust war ein schreckliches Verbrechen, das wir niemals vergessen dürfen, auf das es nie wieder passieren möge… aber andererseits müssen wir auch den Blick über dieses Geschehen generalisieren. Will sagen, dass der Holocaust nichts typisches deutsches ist. Es kann passieren (und wird passieren) in der ganzen Welt, wenn wir nicht aufpassen. (Erinnern wir uns nur an die ethnischen Säuberungen in Serbien und Zululand.) Ich weigere mich übrigens ganz offen, dem Holocaust seine Einzigartigkeit zu nehmen und ihn mit anderen menschenverachtenden Verbrechen zu vergleichen. Aber im Sinne der Erinnerung müssen wir eben darauf achten, dass das „nie wieder“ global gilt.

Wobei ich vollkommen vom Thema abgekommen bin und nun zurückkehre. Es ist sehr interessant, welches Image D in anderen Ländern hat.
Wer mehr zum Thema lesen will:
Deutschlandbilder – im Spiegel anderer Nationen – Literatur Presse Film Funk Fernsehen
Hrsg: Klaus Stierstorfer
(Rowohlt)

(1) Ich lese ihn wirklich gerne und habe fast alle Bücher von ihm.
(2) Nein, ich weiß nicht, ob die Deutschen sich als Touris benehmen.

Ähnliche Artikel: