Schwarmverhalten und Intelligenz – Teil 1

Heute gab es einen Personenunfall auf der Strecke nach München. All die bösen Gedanken (und die eventuell gerechtfertigte Kritik) zum Vorgehen des MVV lasse ich hier mal beiseite. Fakt ist, dass ich gut eine Stunde in der Kälte stand. Es schreibe auch nichts dazu, dass Alte und (Mütter mit) Kinderwagen keine Chance hatten, in die Busse des Schienenersatzverkehrs zu kommen. Es ist ja seit längerem bekannt, dass der Mensch dazu neigt,

  • unter widrigen Umständen zur „Bestie“ zu mutieren (nein, es gab unter den Wartenden keine Verletzten, keine Massaker… ich habe zum Ende abstrahiert)
  • Fairness als nettes soziales Ideal zu sehen, an dem sich doch bitte der Andere zu orientieren hat, man selbst kann gerade nicht
  • unter widrigen Umständen sich instinktiv zu verhalten und dabei sämtliche Errungenschaften der Evolution der letzten 10 Millionen Jahre über Bord zu werfen, indem er sich absolut unintelligent verhält.

Aber das ist nicht mein Thema heute. Wobei ich auch mal ein paar Worte zum Thema Egoismus und Intelligenz verlieren könnte. Aber dieser Text ist eh schon zu lang…

Es soll um Schwarmverhalten gehen. All die netten Menschen, die Wikipedia und Co. hochloben, verweisen gern auf Erkenntnisse aus eben diesem Bereich. Wobei geht es dabei? Schwarmverhalten, wie man es z.B. in Insektenkolonien (Ameisen sind dafür sehr bekannt, z.B. von Ameisenalgorithmen) findet. Die gesamte Kolonie, bzw. der mobile Teil, scheint sich insgesamt intelligent zu verhalten. Dieses Verhalten resultiert letztendlich aus der Tatsache, dass die einzelnen Mitglieder wie einzelne Neuronen (im Gehirn) agieren und sich erst aus dem Zusammenspiel ein Intelligenz ergibt.
Es ist aber problematisch, dies 1:1 auf Menschen zu übertragen, nicht nur wenn man die obigen Punkte außer Acht lässt. Für die Ameisen oder Zellen (z.B. in Produktionsbereichen, die nach diesen Erkenntnissen strukturiert sind), gelten bestimmte Regeln, u.a. dass sie eben nicht intelligent oder instinktiv handeln, sondern es nur bestimmte feste Handlungsmöglichkeiten gibt. Jedes Individuum handelt unindividuell. Jede Ameise handelt hat nur bestimmte Regelsätze und Instinkte aus denen die nächste Handlung resultiert.
Aus diesem Grunde können die Erkenntnisse aus dem Schwarmverhalten nicht übertragen werden, es müssen andere Wissenschaften (wie Soziologie und Psychologie) heran gezogen werden. Und diese zeigen ein eher durchwachsenes Bild vom Schwarmverhalten des Menschen. Jeder Einzelne hält sich für intelligent und folgt doch nur seinen Instinkten, Vorurteilen und so weiter.
Unter gewissen Umständen ist das Vorgehen des Menschen in kleinerem Umfang vorhersagbar, dies insbesondere dann, wenn nicht zu viele Möglichkeiten bzw. Einflussfaktoren bestehen, da diese chaotisierend wirken. Jeder einzelne Faktor kann dabei (das Bild des „Quantenwetterschmetterlings“, der das Wetter verändern kann, ist sicherlich bekannt) das Ergebnis in hohem Maße verändern.
Wie ich auf den Gedanken Schwarmverhalten kam?! Mir fiel auf, wie häufig von irgendwoher ein Gerücht entstand und sich die gesamte Masse in irgendeine Richtung bewegte und später keine Möglichkeit bestand, den Ausgangspunkt des Gerüchts zu lokalisieren.

Der zweite Teil folgt später…

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